Roaming innerhalb der EU: Fakten zu gestern, heute und morgen im Überblick

Alle wichtigen Informationen zur Smartphone-Nutzung im EU-Ausland

EU Tarife Allnet FlatIm Urlaub bleibt das Smartphone häufig ausgeschaltet oder zumindest im äußerst praktischen Flugmodus, um teure Verbindungen – insbesondere in das mobile Internet – zu vermeiden. Hohe Mobilfunkrechnungen durch Telefonate, SMS und mobile Daten sollen zukünftig jedoch der Vergangenheit angehören, denn bereits 2007 hat die EU beschlossen, schrittweise die Preisobergrenzen für verbrauchte Einheiten im EU-Ausland herabzusetzen. Jeweils zum 1. Juli greifen die neuen Konditionen (die wir Ihnen weiter unten auch im Detail vorstellen) und bis zum 15. Dezember 2015 soll es dann auch gänzlich vorbei sein mit den Roaming-Gebühren, denn bis dahin plant die Europäische Union ein Verbot von Preisaufschlägen und damit europaweit gleiche Konditionen bei der Smartphone-Nutzung. In unserem Special zum Thema „Roaming innerhalb der EU: Fakten zu Gestern, Heute und Morgen im Überblick“ stellen wir Ihnen die wichtigsten Informationen, Tipps, Tricks und Details zur Nutzung des Smartphones im Ausland vor. Wir zeigen Ihnen, wie sich die Roaming-Konditionen in den vergangenen Jahren verändert haben, worauf Sie derzeit bei der mobilen Telefonie im Ausland achten sollten und geben einen Ausblick auf das Jahr 2015.

In diesem Ratgeber-Special beleuchten wir die folgenden Themen rund um das Roaming innerhalb der Europäischen Union:

Die aktuellen Roaming-Gebühren ab 1. Juli 2014 im Überblick

Mit Wirkung zum 1. Juli 2014 wurden die Preisobergrenzen für die Handynutzung im EU-Ausland zum letzten Mal herabgesetzt. Ab sofort darf eine abgehende Gesprächsminute aus dem Ausland nicht mehr als 22,6 Cent inkl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer kosten – im vergangenen Jahr waren es noch 24 Cent netto. Bei den eingehenden Verbindungen wurden die Preisobergrenzen abermals deutlich gesenkt. Nun darf ein Gespräch, welches im Ausland angenommen wird mit maximal 6 Cent pro Minute inkl. Mehrwertsteuer berechnet werden – das sind im Vergleich zum Vorjahr 2 Cent weniger. Auch bei den Kurzmitteilungen wurden nochmals die Preise gesenkt, die mittlerweile nur noch mit maximal 7,1 Cent inkl. Mehrwertsteuer pro SMS berechnet werden darf. Damit ist eine SMS aus dem Ausland paradoxerweise bei vielen Anbietern günstiger als innerhalb der nationalen Netze, wo größtenteils mindestens 9 Cent pro Kurzmitteilung berechnet werden. Auffällig im Vergleich zum Vorjahr ist der deutliche Trend hinsichtlich der drastischen Gebührensenkung von mobilen Daten: Seit dem 1. Juli 2014 darf 1 Megabyte verbrauchter Daten im EU-Ausland mit maximal 23,8 Cent berechnet werden – im Vorjahr waren es noch stolze 53,8 Cent und damit mehr als doppelt so viel.

seit 1. Juli 2014seit 1. Juli 2013seit 1. Juli 2012
Ausgehende Anrufe
(pro Minute)
0,19 Euro0,24 Euro0,29 Euro
Eingehende Anrufe
(pro Minute)
0,05 Euro0,07 Euro0,08 Euro
mobile Daten
(pro MB)
0,20 Euro0,45 Euro0,70 Euro
ausgehende Kurzmitteilung
(pro SMS)
0,06 Euro0,08 Euro0,09 Euro
eingehende Kurzmitteilung
(pro SMS)
kostenfrei
* alle Preise zzgl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer

Überaus wichtig zu beachten ist jedoch, dass die oben genannten Roaming-Gebühren ausschließlich im EU-Ausland gelten. Außerhalb der europäischen Union werden zum Teil erhebliche Roaming-Aufschläge berechnet. Diesbezüglich sollten Sie sich in jedem Fall an Ihren Anbieter wenden und die genauen Konditionen einholen. Viele Mobilfunkanbieter haben mittlerweile auch spezielle Tarifoptionen für Business-Kunden oder Vielreisende im Portfolio, die ein entsprechendes Kontingent an weltweiten Inklusivminuten beinhalten.

Im Zweifel empfiehlt es sich auch, insbesondere bei längeren Auslandsaufenthalten auf eine entsprechende nationale SIM-Karte auszuweichen. Gerade bei länderinternen Verbindungen – beispielsweise USA vom deutschen Handytarif zu USA – können die Verbindungskosten exorbitant hoch ausfallen. Aus diesem Grund macht die Anschaffung einer günstigen nationalen Prepaid-Karte direkt vor Ort im Aufenthaltsland durchaus Sinn. Falls Sie jedoch öfter in einer bestimmten Länderzone unterwegs sind und auf Ihre eigentlich Rufnummer angewiesen sind, bleibt Ihnen außerhalb der EU leider nur der Weg über eine kostspielige Tarifoption oder ein entsprechend konzipiertes Paket, wie es insbesondere die etablierten Mobilfunkprovider und Netzbetreiber anbieten.

Bitte unbedingt beachten: Die vorgeschriebenen Preisobergrenzen der Europäischen Union gelten ausschließlich im Gebiet der EU. Im Detail sind das:

BelgienItalienPolen
BulgarienKroatienPortugal
DänemarkLettlandRumänien
EstlandLiechtensteinSchweden
FinnlandLitauenSlowakei
FrankreichLuxemburgSlowenien
GriechenlandMaltaSpanien
GroßbritannienNiederlandeTschechien
IrlandNorwegenUngarn
IslandÖsterreichZypern

Die Entwicklung der Roaming-Gebühren innerhalb der EU seit 2007

Seit dem 1. Juli 2007 hat sich hinsichtlich der Preisobergrenzen für Verbindungen im EU-Ausland viel getan. Um Ihnen einen Überblick über die bisherigen Konditionen zu geben, möchten wir Ihnen zunächst exemplarisch die Entwicklung der Grundpreise pro Gesprächsminute, Kurzmitteilung und Megabyte Datenvolumen innerhalb der letzten drei Jahre aufzeigen.

Kosten pro Gesprächsminute

0,19 Cent (2014)0%
0,24 Cent (2013)0%
0,29 Cent (2012)0%

Kosten pro SMS

0,06 Cent (2014)0%
0,08 Cent (2013)0%
0,09 Cent (2012)0%

Kosten pro MB Daten

0,20 Euro (2014)0%
0,45 Euro (2013)0%
0,70 Euro (2012)0%

Vermeiden Sie hohe Kosten im Ausland: Unsere Tipps zum Thema Roaming in der EU

Auch wenn die Verbindungskosten für Telefonate, Kurzmitteilungen und mobile Daten im EU-Ausland bereits wesentlich günstiger geworden sind, ist das noch immer kein Freibrief für grenzenlose mobile Verbindungen. Exorbitant hohe Handyrechnungen von 900 Euro und mehr müssen Sie im Normalfall eigentlich auch nicht mehr fürchten, schließlich gibt es seit dem 1. Juli 2010 einen Schutzmechanismus, die Ihre mobile Datenverbindung nach Erreichen eines Betrags von 50,00 Euro zzgl. Mehrwertsteuer beenden. Beim deutschen Verbraucher wird das mobile Internet im Ausland also nach Erreichen des Limits von 59,50 Euro automatisch deaktiviert. Doch bereits bei 80 Prozent Verbrauch dieses Limits benachrichtigt Sie Ihr Anbieter per SMS. Sollte die Verbindung dann wirklich gekappt werden, können Sie die Aufhebung der Sperre über die Hotline, online oder zum Teil auch per SMS aufheben und anschließend weiter im mobilen Internet surfen. Bei E-Plus wird die Sperre über USSD-Codes aufgehoben – so kann das Limit von 50 Euro beispielsweise mit dem Tastencode * 141 # aktiviert werden.

Doch soweit muss es gar nicht erst kommen, denn mit ein paar Tipps können Sie sowohl die Belastung Ihrer Urlaubskasse reduzieren, dabei aber trotzdem kommunikativ sein:

  • Vermeiden Sie noch bis zur Abschaffung der Roaming-Gebühren zum 15. Dezember 2015 die verhältnismäßig teuren Datenverbindungen und schalten Sie auf Ihrem Smartphone und ggf. Tablet mobile Daten im Ausland ab.

Unter iOS tippen Sie dazu einfach auf Einstellungen – Mobiles Netz – Datenroaming (Button deaktivieren)
iOS Datenroaming

Bei einem Android-Smartphone tippen Sie in den Einstellungen auf Drahtlos & Netzwerk – Mehr – Mobilfunknetze – Daten-Roaming (Button deaktiviert)
Datenroaming bei Android deaktivieren

  • Nutzen Sie statt des mobilen Internets besser lokale WLAN-Netzwerke. Vielleicht bietet Ihr Hotel bzw. Ihre Unterkunft ein kostenfreies Netzwerk an oder Sie müssen – meist für recht kleines Geld – entsprechende Zugänge bei der Rezeption erwerben. Darüber hinaus bieten häufig auch Cafés oder Restaurants kostenfreie WLAN-Hotspots an. Einmal eingeloggt können Sie über diese Internetzugang Ihre gesamte mobile Kommunikation via WhatsApp, Facebook, Mail etc. nahezu kostenfrei regeln.Mehr Infos zur WLAN-Suche im Ausland haben die Kollegen von teltarif.de recherchiert.
  • Sollten Sie Zugriff auf ein lokales WLAN-Netzwerk haben, empfiehlt es sich, Ihre mobile Datenverbindung – wie oben beschrieben – zu deaktivieren. Falls Sie dann noch weitere Kosten einsparen möchten, nutzen Sie doch einfach Skype anstatt zu telefonieren. Das funktioniert zwar nur, wenn Ihr Gegenüber auch einen Skype-Account hat, ist jedoch mit einem WLAN-Hotspot im Vergleich zur Telefonie gänzlich kostenfrei.
  • Falls Sie doch gern mit dem Smartphone telefonieren möchten, gibt es bei vielen Anbietern spezielle Reisepakete (beispielsweise Telekom All-Inclusive Tarifoption, TELE2 EU Reise Flat oder BASE Reise Flat. Im Fall der Telekom kann für 5 Euro monatlichen Aufschlag die Flat mit ins Ausland genommen werden. Dann sind alle Verbindungen nach Deutschland und im jeweilgien Aufenthaltsland sowie Kurzmitteilungen und Inklusiv-Datenvolumen kostenfrei auch im EU-Ausland nutzbar.

Fazit: Roaming-Gebühren innerhalb der EU werden 2015 abgeschaftt – und das ist auch gut so

Spätestens zum 15. Dezember 2015 ist es dann soweit: Die Aufschläge für Verbindungen im EU-Ausland werden abgeschafft. Damit wird es für deutsche und europäische Urlauber, Reiseliebhaber und Geschäftsreisende so leicht und günstig wie nie zuvor, im Ausland zu telefonieren, SMS zu versenden und im mobilen Internet zu surfen. Und wenn Sie uns fragen: Es wird dringend Zeit, dass im diesem Zusammenhang etwas passiert, denn spätestens mit der massiven Verbreitung von Smartphones und Tablets spielt gerade das mobile Internet eine deutlich wichtigere Rolle als noch vor einigen Jahren – da ist es einfach nicht mehr zeitgemäß im nationalen Inland mit Highspeed und zu Tiefstpreisen zu surfen, während Verbindungen im Ausland schnell ein kleines Vermögen kosten können.

Solange heißt es also noch abwarten und das Smartphone möglichst wenig im Ausland zu nutzen, denn im Jahr 2015 wird sich eine kleine, aber dennoch von langer Hand geplante Revolution auf dem europäischen Mobilfunkmarkt durchsetzen. Noch ist nicht bekannt, inwieweit einzelne Anbieter mit speziellen Tarifen oder Paketen reagieren werden, aber bereits jetzt zeichnet sich ab, dass das Ende der Roaming-Gebühren im nächsten Jahr gekommen sein dürfte.

Quellenangaben & weitere Informationen: